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Splinter (Review)

von Rauche (30.06.2012)

Punkte:

2 (schlecht) von 5 Punkten

Review:

Die Eröffnungssequenz beginnt mit einem Tankstellenwart, der von einem stacheligen Tierchen angegriffen wird. Da ich nicht wusste, worum es in dem Film geht und Angriffszene nur kurz und mit äußerst verwackelter Kamera dargestellt wurde - eine Technik, die ich im Übrigen allerhöchstens bei den dokumentarisch gestalteten Handkamera-Horrorfilmen billige - dachte ich, ich habe es mit dem Angriff der Killer-Igel zu tun. Kein guter Einstieg in einen Horrorfilm. Doch nun zur eigentlichen Story:
Die halbwegs schnittige Polly will mit ihrem strebermäßig aussehenden und ebenso auftretenden Freund Seth im Wald zelten. Schon hier fragt man sich, wie Seth, dargestellt von Paulo Costanzo, der schon in der Klamotte "Road Trip" den intellektuellen Biologiefreak mimte, an die heiße Biene gelangt ist. Wohl eher aus Mitleidsgründen, denn der führerscheinlose Planzen-Doktorand steht zwar auf 200 Jahre alte Bäume, will aber nicht in der Wildnis zelten. Er versemmelt den Aufbau eines einfachen Zweimannzelts, indem er das Gestänge zerbricht. So scheitert das Camping an der Unfähigkeit des Promovierenden schon in den ersten Minuten des Films. Seth ist darüber nicht unglücklich, kann er doch nun seine Polly in einem weichen Motelbett statt auf dem harten Waldboden vernaschen.
Schade, dass ihnen der Ausbrecher Dennis Farel mit seiner drogensüchtigen Freundin Lacey in die Quere kommt: Das Gangsterpärchen ist mit dem Auto liegen geblieben und nimmt kurzerhand Polly und Seth als Geisel - und schon haben sich die erhofften Sexszenen erledigt.
Der Verbrecher Dennis will nach - wohin auch sonst - Mexico. Doch die Fahrt der vier wird jäh unterbrochen. Sie überfahren ein Tier, das mit seltsamen Stacheln übersät ist. Interessanterweise lebt das Vieh weiter. Als Lacey und Seth sich den blutigen Fleischhaufen anschauen, versucht die Kreatur Seth anzugreifen. Lindsey aber ballert wild fuchtelnd mit ihrer Knifte auf das Wesen und fordert die anderen panisch zu Weiterfahrt auf. Blöderweise ist die Benzinleitung durch die Stacheln beschädigt worden. So sieht sich die unfreiwillig zusammengemurmelte Kleingruppe gezwungen, an der einsamen Tankstelle aus der Eingangsszene anzuhalten. Hier hat der seltsame Stachelorganismus, den wir bereits von dem plattgefahrenen Tier kennen, bereits gewütet. Er hat den Körper des Tankstellenwarts übernommen und greift nun unsere Hauptprotagonisten an. Dabei muss der Wirtskörper nicht komplett sein, auch einzelne Körperteile wie eine abgeschlagene Hand können so noch allein "agieren". Das erste Opfer ist Lindsey. Immerhin sind wir so wenigstens die ewig kreischende Drogensüchtige los. Die Nervensäge wäre eh keine Hilfe im Kampf gegen die Bestie gewesen. Die restliche drei verschanzen sich im Tankstellenshop und rüsten sich für einen Kampf um Leben und Tod.
Was jetzt folgt, könnte man auch ohne Spoilerwarnung schreiben, denn der Film ist so vorhersehbar wie überraschungslos. Dennoch sollte der ungeübte Zuschauer, der sich die kaum vorhandene Spannung nicht verderben will, die folgende Kurzfassung des Endes nicht durchlesen:
Dennis hat sich an der Hand mit einem Stachel verletzt. Als sein Arm anfängt, ein stacheliges Eigenleben zu führen, entschließt sich Seth, ihn mit einem Cuttermesser abzutrennen. Daran, dass im Arm noch ein Kochen existiert, der nicht so einfach durchtrennt werden kann, denkt Seth - wohlgemerkt ein selbsternannter Fachmann in Sachen Biologie - nicht. So wird kurzerhand die Entscheidung getroffen, den Arm mit einem Betonstein abzuschlagen.
Seth findet heraus, das der Organismus auf Wärme reagiert. So kommen die drei auf die Idee, das Wesen mit China-Böllern abzulenken, während Seth seine Körpertemperatur mit Eis runterkühlt, um das Auto ranzufahren. Doch auch hier versagt er: Er findet den Zündschlüssel nicht.
Im Showdown opfert sich der eingangs so selbstsüchtige und böse Dennis. Während Polly und Seth fliehen, jagt er die Tankstelle und damit alle befallenen Opfer einschließlich sich selbst in die Luft. Der Film endet mit einem Kameraschwenk in die Natur wo erneut Stacheln aus dem Boden hervorkommen - das obligatorische Ende. Woher der Organismus kommt, wird im Übrigen nicht aufgeklärt…
Fazit: Der ironielose Standardslasher "Splinter" wurde unmotiviert und ideenlos, aber halbwegs routiniert inszeniert. Die typische - wohl aus Budgetgründen eingesetzte - Wackelkamera und die erschreckend überraschungsarme Story lassen den Horrorfilmkenner aufstöhnen. Allein bei dem geheimnisvollen Stachel-Monster-Organismus kann man etwas Kreativität erkennen: Da das Wesen ein bisschen mystifiziert wird und schwer greifbar ist, kann sich der geneigte Cineast seine eigenen Horrorvorstellungen über die Kreatur in seinem Gehirn zurechtbasteln. Das ist dann aber auch schon das gruseligste, was das Werk zu bieten hat. Die Effekte sind überschaubar und reißen niemanden mehr vom Hocker. Und selbst über die zum Glück nur knapp 80 Minuten kurze Filmdauer schleppt sich die Story mehr schlecht als recht dahin. Ein Film, den man sich ansehen kann, wenn wirklich nichts anderes zur Hand ist.